2009/06/11

the good, the bad and the ugly

The Good:
Selten hat mich eine Aktion im Bezug zur heimischen Politik positiver überrascht als die der grünen Vorwahlen und zum ersten mal seit Langem hatte wieder das Gefühl, dass sich hierzulande etwas tut, das in die richtige Richtung geht.
Grundsätzlich habe ich schon immer großteils die Meinungen und Positionen der Grünen vertreten und dies auch immer in der Wahlkabine zum Ausdruck gemacht, trotz vieler Bedenken auch in jüngster Vergangenheit. Abgesehen von den Inhalten hatte ich bei den Vertretern der Grünen immer das Gefühl, dass hier zum einen rationale und auf Fakten basierende Standpunkte vertreten werden und zum anderen einfach eine flexible Art der Politik betrieben wird, sprich Bewegung in das starre Konstrukt österreichischer Demokratie kommt. Besonders dieser letzte Punkt hat die Grünen für mich immer von den anderen politischen Gruppierungen abgehoben und auch bei, meines Erachtens, verschiedener inhaltlicher oder personeller Fehlentscheidungen wählbar gemacht.
Nachdem ich von den Vorwahlen erfahren hatte, hat sich also mein Glauben an die Politik wieder merklich erholt. Ich hab vielen Bekannten von den Vorwahlen erzählt, sie ermutigt auch mitzumachen und somit auch wieder starke Argumente für die Wählbarkeit der Grünen entwickelt, nicht nur um andere, sondern auch um mich wieder voll zu überzeugen.

Ich lebe nun seit gut vier Jahren in Wien und diese Zeit hat mir gezeigt, dass gerade in einer Großstadt die Notwendigkeit einer grünen Kraft deutlich spürbar ist. Fragen nach Ökologie, Mobilität (in meinem Fall mittels des Fahrrades) und nicht zuletzt die der Integration sind Themen, die ich den Grünen immer zugetraut habe, nicht zuletzt wegen der angesprochenen Flexibilität dieser Partei. Es ist genau diese Flexibilität, an die ich nach der Reaktion auf diese Vorwahlen nicht mehr glauben kann.


The Bad:
Im Laufe der letzten Wochen habe ich viele Vorwahl-kritische Aktionen und Wortmeldungen einiger grüner Funktionäre eher locker gesehen und als ein Zeichen der Bewegung gedeutet. Ich war optimisch, zumindest bis vor ein paar Tagen.


The Ugly:
Ich bin mehr als enttäuscht wie diese gute Aktion jetzt offenbar enden wird, sei es aussortieren via Google oder gar eines Häkchens am Anmeldeformular, welches der Partei Portokosten erspart. Der Punkt ist, dass die Partei weder beweglich, noch pragmatisch oder sich gar mutig zeigt. Statt die Chance mutig anzunehmen, an die Vorwähler heranzutreten und zu zeigen, dass man die fortschrittlichste Partei Österreichs sein will haben sie kalte Füße bekommen und regeln das ganze typisch österreisch, also weder halb gut noch halb schlecht, bloß nicht zu viel ändern, auch wenn man vor all dem groß geredet hat.

In diesem Sinne wurden einige Vorwähler angenommen, einige werden einer "Gesinnungsprüfung" unterzogen und andere (wie ich) haben gar keine Antwort bekommen.
Enttäuschend.

Andere Reaktionen gibts hier.

Kommentare:

Nicole hat gesagt…

Danke!
Das könnte ich Wort für Wort unterschreiben... :(

ossi1967 hat gesagt…

Ich kann Deine Gedankenkette nicht ganz nachvollziehen. Sie reißt an einem entscheidenden Punkt:

Du gehst automatisch mal davon aus, daß die Idee der "Vorwahlen" richtig ist - und daß daher jeder, der dagegen auftritt, "weder beweglich, noch pragmatisch oder gar mutig" ist.

Ich kann nur sagen: Die Idee der Vorwahlen war von vornherein brandgefährlich. Die ganze Aktion war von Beginn an auf Konflikt angelegt. Wenn man unterstützen will, geht man hin und fragt: "Hey, brauchst Du meine Hilfe?" - Man geht nicht über die Medien und ein externes Projekt und erklärt: "Na wart, Dir werd ich schon helfen!"

Daß es hier zu Streit kommt, war vor Beginn der Aktion klar. Daß es den Grünen schaden kann, ebenfalls. All das war den Initiatoren entweder egal oder sie wollten es so.

Mit jetzigem Stand 277 Menschen haben sich offenbar für diesen bewußt vom Zaun gebrochenen Konflikt verheizen lassen. Weils cool ist, weils im Internet ist, weils "2.0" ist.

Ich frage mich: Wenn Du Dich prinzipiell (inhaltlich) auf der Seite der Grünen siehst... warum gehst Du nicht einfach hin und unterstützt sie? Warum unterstützt Du stattdessen eine Initiative, die von Anfang an darauf ausgerichtet war, die Grünen öffentlich bloßzustellen, organisatorisch mit Anträgen lahmzulegen und schließlich ihre Entscheidungskraft zu schwächen?

Thomas hat gesagt…

Meine Gedankenkette reißt nicht an diesem Punkt, sondern sie ist ganz einfach darauf aufgebaut. Und natürlich sind die Vorwahlen mmn richtig, sonst hätt ich nicht mitgemacht, bzw. versucht mitzumachen.
Der Eintrag sollte ja keine Reportage sein, sondern mein persönliches Kommentar zu der Sache, weswegen es mir ja auch erlaubt sein sollte meine persönliche Meinung einzubringen. Ob eine andere Vorgehensweise den Grünen jetzt geschadet oder genützt hätte kann man nicht faktisch beantworten, weswegen ich nur spekulieren konnte und mir nach besten Wissen und Gewissen eine Meinung gebildet habe.

Da ich kein Initiator der VW bin kann ich jetzt natürlich nur von meinem persönlichen Standpunkt aus sagen wie ich zu den Vorwürfen stehe. Das Ziel war zu helfen, aber auf eine drastische Art und Weise, eine Art, die notwendig wäre um das grüne Schiff nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen, mit anderen Worten es ist darum gegangen frischen Wind reinzubringen.

Die Vorgehensweise "Hey, brauchst Du meine Hilfe?" impliziert ja nicht, dass man etwas verändern will, sondern im aktuellen Kurs unterstützen. Es geht/ging bei den VW jedoch um Unterstützung durch Veränderung. Deine vorgeschlagene Vorgehensweise ist genau dieses konservative Denken, dass "man dann schon irgendwann was verändern können wird". Dafür ist in der aktuellen Situation der Grünen einfach keine Zeit mehr, sie haben Chancen nicht genutzt, also wollte man sie zur Chance zwingen.

Dass es dann im Endeffekt zu Streit gekommen ist, ist eigentlich nur den Funktionären zu verdanken, die sich mit dem Gedanken dieser Chance nicht anfreunden wollten.

Ich bin darum nicht auf die konventionelle Weise zur Unterstützung hingegangen, weil ich eben mit den starren Parteistrukturen und dem Verhalten wichtige Dinge hinter verschlossen Türen zu beschließen nicht einverstanden war. Kurz gesagt: Inhalte: ja, Ausführung: nein.
Und genau um Zweiteres zu verändern hab ich die VW als große Chance gesehen. Es war klar, dass es schaden _kann_, aber ohne Risiko kann man oft nicht viel gewinnen. Wie schon gesagt, ich bin der festen Überzeugung, dass die Grünen sehr viel aus der Sache gewinnen hätten können, es aber durch Engstirnigkeit in eine Richtung getrieben haben, die ihnen schadet.

Auf das übliche Internetfuzzis- und ihr-wollt-ja-alle-nur-bloßstellen-gerede geh ich jetzt absichtlich nicht ein, weil das ja wohl billigste Polemik ist.

Übrig bleibt: Da du die VW grundsätzlich für eine böse und auf Schaden ausgelegte Sache siehst ist es klar, dass du meine Gedankenkette nicht nachvollziehen kannst. Da hilft auch diskutieren und nachfragen nix, unsere Ansichten sind einfach grundverschieden.

Anonym hat gesagt…

Thomas, weil der Landesvorstand am Montag wieder tagt, macht es vielleicht Sinn, den Mitgliedern jetzt ein "Motivationsschreiben" zu schicken, in dem du erklärst, wie du dir die gewünschte Unterstützung persönlich vorstellen kannst, die über ein persönliches Werben für die Grünen in deinem Bekanntenkreis hinausgeht (denn dazu unterscheidet man sich ja nicht vom durchschnittlichen Grünwähler).

Damit wäre klar, dass es dir ernst ist und du in den Startlöchern scharrst.

Thomas hat gesagt…

@Anonym:
Mit dem Blog-Eintrag ist mir klar geworden, dass ich nach dieser finalen Reaktion der Partei das eigentlich gar nicht mehr will.

Es wurde bereits Unterstützung meinerseits(Im Rahmen der VW, wenn auch nur über ein Internet Formular) angeboten, welche bei mir und (davon bin ich überzeugt) auch bei anderen VorwählerInnen aus mehr als das Wahlrecht bei der Landesversammlung bestanden wäre.

Das war den Grünen bei vielen VorwählerInnen bis jetzt nichtmal ein lausiges Massen-EMail wert.
Das interpretiere ich jetzt als deutliches Zeichen, dass wir nicht ernst genommen werden und es gibt ja wohl kaum was entmutigenderes.

Ich wollte weder manipulieren, noch jemanden schaden, sondern zum ersten Mal in einem Leben das Gefühl haben, dass hier abseits der üblichen Ja-Sager, Entscheidungen durch frischen, politischen Diskurs getroffen werden. Diese Gefühl hab ich mittlerweile leider fast vollkommen verloren und ich kann mir schwer vorstellen, dass hier noch eine radikale Kehrtwende stattfindet, die mich umstimmen könnte.

Thomas hat gesagt…

tippfehler, natürlich meinte ich "aus mehr als _dem_ Wahlrecht bei der Landesversammlung bestanden _hätte_"

Anonym hat gesagt…

Thomas, schade dass du dich so schnell ins Boxhorn jagen lässt und dich auf Basis eines Kommunikationsproblems verabschiedest. Denn dass die Grünen die VWer ernst nehmen, davon bin ich überzeugt. Nur vielleicht zu ernst. Und die Kommunikation ist nicht ganz geschickt.

Thomas hat gesagt…

Naja, "schnell" würde ich das nicht bezeichnen. Die Reaktionen auf die VW haben sich von einem langsam ansteigenden Grant (den ich noch als ein positives Zeichen dafür, dass sich etwas bewegt gesehen habe) bishin zu einer letztminütlichen Alibi-Aktion entwickelt. Dass ich und viele andere durch dieses Ende frustriert sind kommt nicht von ungefähr.

ossi1967 hat gesagt…

Thomas, ich hatte erhofft, daß jemand, der zu den VW bloggt, zumindest ansatzweise auch auch erklären kann/will, warum er diese Sache für sinnvoll und gut hält. (Eines der Probleme ist ja eben, daß das abgesehen von ca. 300 Vorwählern kaum jemand nachvollziehen kann. Da mangelts an Kommunikation.)

Stattdessen zu sagen "Du bist nicht meiner Meinung, also ist Dein Beitrag nur billige Polemik" ist beleidigend und trägt nicht zum Verständnis bei. Ich habe meinen Kommentar sehr ernst gemeint und sehe darin keine Polemik.

Aus dem, was Du transportierst, leite ich ab: Es geht Dir darum, daß die Grünen nicht mehr so sein sollen wie sie heute sind. Veränderung, sagst Du. - Wärs nicht sinnvoller, die Grünen ihren Weg in demokratischer Weise selbst bestimmem zu lassen und den anderen/veränderten/neuen Weg auch auf ehrliche Weise mit einer anderen, neuen, eigenen Liste zu gehen?

Thomas hat gesagt…

Entschuldige aber,wenn du den Initiatoren der VW unterstellst die Grünen "öffentlich bloßstellen", lahmlegen und sogar entscheidungsunfähig machen zu wollen ist das eine boshafte Unterstellung, die jeglichen Fakten entbehrt. Mit dieser Aussage wolltest du nur provozieren und das ist einfach eine typisch polemische Verhaltensweise.

Die Grünen hatten lang und oft genug Zeit ihre Liste auf herkömmlichen Wege bestimmen zu können. Hier gab es mmn viele Fehlentscheidungen, die mit den Vorwahlen bei der Wiener Wahl vielleicht verhindert werden könnte.

Ich finde die Idee der Vorwahl ganz einfach deswegen gut, weil es ein neuer Weg ist die Listen öffentlich zu erstellen und einen belebten Diskurs über jene zu führen um es genau nicht so zu machen wie es heute leider oft üblich ist, nämlich hinter verschlossenen Tür um dann die Unterstützer und Wähler vor entschiedene Tatsachen zu stellen. Ein Stück mehr Demokratie im demokratischen Prozess sozusagen.